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Ein Plädoyer für mehr Champagner
Ein Plädoyer für mehr Champagner 15.02.2021


Ich erlebe immer öfter, dass sich das Gros der Menschen aus falscher Demut einen Deut um den Champagner kümmert. Ja, manchmal spüre ich eine richtig gehende Angst, sich mit dem Thema zu beschäftigen, geschweige denn ihn zu trinken.

Zu fest haben sich Traditionen und falsche Vorstellungen in den Köpfen der Menschen manifestiert. Champagner trinkt man, wenn überhaupt, nur zu Geburtstagen und Silvester. Champagner ist sauer, Champagner ist teuer, Champagner ist elitär – die Liste ist nicht vollständig, aber beliebig erweiterbar.

Dabei muss ich zugeben, dass ein gewisses Bild von Damen, in Nerzen mit einem Cüpli in der Hand, nicht unbedingt das Image des Champagners förderten, sondern ihn in eine Ecke trieben, aus der er bis heute kaum mehr herauskommt. Hier Gegensteuer zu geben ist wirklich schwer und als Geniesser von gutem Winzerchampagner, schneide ich mir dabei auch selbst ins Fleisch. Das Resultat, was dabei herauskommt, ist klar: Das Gute wird knapper und somit auch teurer. Aber alleine trinken ist bekanntlich eben auch nur die halbe Freude.

Ich beschäftige mich nun seit ca. sechs Jahren intensiv mit Champagner. Mein Fokus liegt dabei auf Winzerchampagner. Also Champagner, der aus kleinen Häuser kommt und von denselben Menschen vinifiziert wird, von denen auch die Trauben angebaut und gepflegt werden. Diese Champagner unterscheiden sich in vieler Hinsicht von den Weinen, die wir aus dem Supermarkt kennen und wohl jeder mal in seinem Leben getrunken hat. Im Gegenteil zu den Winzerchampagner, kaufen die Grossen Häuser die Trauben bei Vertragswinzern ein. Das Ziel ist, geschmacklich jedes Jahr, in etwa dasselbe auf den Markt zu bringen wie im Vorjahr. Also generell gesehen, ein mässig spannendes Verfahren.

Der Unterschied zwischen diesen Massenware und Winzerchampagner ist frappant! Und ich kann jedem empfehlen, dass er die begangenen Pfade verlässt und etwas Neues ausprobiert. Es ist nicht nötig alles vorher zu probieren. Sie stehen auch nicht im Coop oder Denner vor dem Gestell und sagen zu sich «das habe ich noch nie probiert, darum kaufe ich es nicht». Wäre dem tatsächlich so, würden Sie heute nämlich nur Wasser zu sich nehmen.

Sie sollten auch keine Angst haben sich was Gutes zu tun. Es ist korrekt, Champagner ist was Besonderes. Das fängt schon bei seiner Herstellung an, die um ein Vielfaches länger dauert als die eines "normalen" Weines, welcher nach 6 Monaten bereits abgefüllt werden kann. Bis ein guter Champagner bei Ihnen ins Glas kommt sind nicht selten zwei bis fünf, manchmal sogar acht oder zehn Jahren mit der Lese des Traubengutes vergangen. Eine unglaublich lange Zeit! Dabei müssen Sie sich vorstellen, dass der Winzer je nachdem bis zu zehn oder mehr Jahrgänge bei sich einlagern muss, bevor sie in den Verkauf kommen. Selbst bei kleinen Produktionen von 2`000 bis 3`000 Flaschen sind das dann plötzlich 30`000 Flaschen die als «totes Kapital» im Keller liegen. Das muss man sich erst mal leisten können!

Champagner ist teuer! Eine Behauptung die auch relativ gesehen, falsch ist. Denn für das Gros der Weine zahlen Sie als Endkunde zwischen 50.- und 100 Franken. Wenn man dabei die Produktionszeit anrechnet, sind das wahre Schnäppchen. Dabei muss guter Champagner nicht mal teuer sein. Ja überhaupt ist «teuer» das Wort, was dem Champagner am wenigsten gerecht wird. Denn man bekommt bereits ab 30.- einen top Champagner. 50.- für was wirklich sehr gutes und 80.- bis 100.- für Endstufen-Gewächse. Alles darüber ist dann oft nur noch Marketing.

Ich möchte Sie hiermit also ermutigen, mehr Champagner zu trinken. Lösen Sie sich von dem «oh, heute ist Silvester» und gehen Sie hin zu «es ist nur Champagner», lass uns was Gutes tun. Denn auch wenn Sie «nur» noch guten Champagner trinken – und sollte das täglich sein, so wird es jeden Moment den Sie Geniessen, zu einem speziellen Moment machen. Nehmen Sie anstelle der Austern eine Bratwurst vom Grill oder ein Stück Salami mit Brot oder ein Kartoffelsalat mit Wienerle – vollkommen egal. Denn der Schaumwein wird Sie, und das was Sie tun, auf ein neues Podest heben. Es automatisch aufwerten und gleich noch viel mehr Spass machen - weil Sie es sich verdient haben. Dabei wird es nur eine Nebenwirkung geben: Sie werden dabei eine Träne verdrücken, wenn Sie feststellen werden, was Sie in den Jahren alles verpasst haben, nur weil Sie meinten Prosecco wäre für Sie standesgemäss.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, welcher Champagner Ihnen schmeckt, dann empfehle ich Ihnen eine der Tasting-Boxen. Oder Sie schreiben mir - ich helfe Ihnen gerne weiter.